Tuesday, 26. october 2010
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14:40
Also mal ehrlich, man hört ja kurioseste Geschichten betreffs der Jobsuche. Sei es übers Internet, Radio, Fernsehen oder irgendwelche entfernten Bekannten und Verwandten. Bisher bin ich aber dann
doch immer so naiv durchs Leben gegangen, dass ich hoffte, mich würde all diese Schikane nicht treffen. Ich werde meinen Weg schon gehen und über die wenigen Steine die mir begegnen hinweg
steigen.
Naja, nach nun fünf Jahren Studium habe ich zumindest eins gelernt: nicht alles im Leben lässt sich immer so wunderbar beeinflussen und es gibt leider Steine, über die man nicht so ohne weiteres
hinwegsteigen kann...
Heute dann wieder ein herber Rückschlag, nach dem ich mich langsam frage, was sich der kleine verschüchterte Hochschulabsolvent bei der Jobsuche eigentlich so alles gefallen lassen muss...
Nachdem ich ja nun schon seit drei Monaten mit Firma X im Gespräch bin, mittlerweile zu zwei Bewerbungsgesprächen eingeladen war und mir immer wieder anhören durfte wie kompetent man mich doch
findet und wie gern man mich doch einstellen würde, wird es mir langsam doch irgendwie zu anstrengend. Zugegeben, dieser Job ist mein absoluter Traumjob. Er erfüllt 99,99 % der Voraussetzungen
für das, was ich mir so vorstelle. Eine vergleichbare Position habe ich bisher noch nicht gefunden. Geschweige denn das Interesse anderer Arbeitgeber bekommen.
Nun aber zu dem, was mich eigentlich so ärgert: Man möchte mich einstellen. Aber die Position für die ich gedacht bin, wird frühestens im neuen Jahr frei. Vermutlich erst im März oder April.
Super.... ganz tolle Klasse... man hat mir angeboten bis dahin als Werksstudent oder ähnliches (bin ja nun kein Student mehr) zu arbeiten... ich soll also nach fünf Jahren mühsamen Studiums, das
ich ja nun mit viel Ehrgeiz überhaupt schon so gut und schnell fertig habe, noch mal ein halbes Jahr als Praktikantin arbeiten. Bisschen frech, oder? Die wissen halt ganz genau, was sie mit wem
machen können. Mit einem gestandenen Ingenieur hätten die sich das Angebot nicht mal ansatzweise getraut. Der hätte doch sofort abgesagt und würde sich woanders was suchen.
Ich persönlich habe ernsthaft lange darüber nachgedacht. Und bin trotz einiger gut gemeinter Ratschläge aus meinem Umfeld noch nicht ganz überzeugt. Mir wird davon abgeraten. Ich würde doch auch
woanders eine Stelle finden. Ja schon. Vielleicht. Irgendwo. Irgendwas. Aber diese Traumstelle. Werde ich die finden? Und wird das dann wesentlich vor dem 1.3. was, wenn ich bis jetzt noch nicht
mal ein weiteres Bewerbungsgespräch hatte? Sollte ich diese Chance nicht vielleicht doch einfach nutzen? Klar ist das dann wenig Geld. Aber immer noch mehr als bisher... und besser als nichts.
Ich bin total unsicher. Ich habe Angst ausgenutzt zu werden. Andererseits habe ich Angst meine Traumposition zu riskieren... Bis übermorgen muss ich entschieden haben. Dann steht ein erneutes
Telefonat an... ich bin drauf und dran zu sagen, dass ich durchaus an der angebotenen Stelle interessiert bin, aber eigentlich nicht willentlich vorher für gewisse Zeit als Praktikant tätig zu
sein. Ich fürchte nur, dann bekomme ich eine Absage... habe ich dann das richtige getan? Wenn die Personaltante anfängt mir irgendwas zu erzählen, mit ihrer freundlichen und aufgeschlossenen Art,
dann bin ich am Ende bestimmt wieder die Dumme die sich um den Finger wickeln lässt und doch zu irgendwas ja sagt, was mir jeder andere ausreden würde.
Irgendwie ist das auch was was mich stört. Es ist ja toll, dass die drei Menschen, die ich nach dem Telefonat um Rat gefragt habe, mir helfen wollen. Aber dass alle drei so wehement dagegen
waren, während ich das ernsthaft in Betracht gezogen habe, macht mich nur noch unsicherer. Da fühlt man sich mal wieder so richtig vor den Kopf gestoßen, dass für alle sofort klar ist, dass da
was faul ist, nur man selbst hält es für irgendwie machbar. Schön, dass man so gegen all das ist, was einem die Menschen um einen rum mit auf den Weg geben wollen. Ich will die Stelle! Aber halt
irgendwie auch nicht um jeden Preis. Mein Befürchtungen sind, dass ich am Ende für Hungerlohn tätig war und dann den Job für den ich das in Kauf genommen habe, doch nicht bekomme... ach mensch,
warum kann man nicht einfach weiter wie ein kleines Kind zur Schule gehen und andere Menschen die Entscheidungen für einen selbst treffen lassen? Manchmal finde ich das Leben ganz schön
anstrengend... Verantwortung übernehmen... für mich selbst... wem soll ich denn dann die Schuld in die Schuhe schieben, wenn was schief geht?
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